Hervorgehoben

Erfolgreicher Projektabschluss: YLN im Finale um den Deutschen Nachhaltigkeitspreis

Photo Credit: YLN

Zum Abschluss meines Nachhaltigkeitsprojekts „Ästhetik und Suffizienz: Vom minimalistischen Design zu bewusstem Konsum“ möchte ich einen tollen Erfolg auf meinem Blog teilen. Your Loving Nature (YLN) gehört zu den Finalisten im Wettbewerb um den begehrtesten deutschen Nachhaltigkeitspreis. Die von mir im Projekt umgesetzte Bewerbung um den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2021 in der Kategorie Design konnte sich somit gegen eine Vielzahl von Bewerbungen anderer Unternehmen, Agenturen, Designer*innen, Student*innen und Startups bis ins Spitzenfeld durchsetzen.

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis Design (DNP Design) wurde dieses Jahr erstmalig ausgelobt und prämiert Designlösungen mit Transformationspotenzial. Es freut mich daher besonders, dass der Designansatz von YLN und damit mein Projektinhalt Anerkennung erfahren. In diesem Ansatz bezieht sich Minimalismus eben nicht nur auf die Form, sondern auch auf das Hinterfragen von Konsumverhalten und Lebensstilen. Die Wirkung einer solchen suffizienzorientierten Designstrategie im Transformationsfeld Gesellschaft konnte gegenüber der DNP-Expertenjury glaubhaft dargestellt werden. Das Unternehmen YLN kann nun mit der Nominierung seine Positionierung als Vorreiter für verantwortungsvolles Design stärken und durch die Nutzung des Finalist-Siegels für Verbraucher*innen kenntlich machen.

Der angestrebte Beitrag des Projekts zu nachhaltiger Entwicklung bewegt sich entlang Ziel 12 der Sustainable Development Goals – nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherzustellen. Bei Beibehaltung der aktuellen Lebensstile würde unser Ressourcenverbrauch im Jahr 2050 das Äquivalent von drei Erden beanspruchen. Eine tragende Rolle hinsichtlich der Minderung des Ressourcenverbrauchs nimmt das Design von Produkten und Dienstleistungen ein. In der Entwurfsphase eines Produktes werden bereits 80 Prozent der Umweltauswirkungen festgelegt (vgl. Liedtke et al. 2019). Zudem können über Design nachhaltige Haltungen und Werte aktiv vermittelt werden (vgl. ebd.).

Während konventionelles Design durch seine Produktentwürfe Lebensstile vorgibt, werden in neuen, unter Transformationsdesign zusammengefassten Ansätzen die Verbraucher*innen zu Mitgestalter*innen (vgl. Liedtke, Welfens & Fink 2016). Insofern kann transformatives Design die Erfahrung von Selbstwirksamkeit und Gestaltbarkeit befriedigen und helfen, „neue sozioökonomische und soziale Werte zu entwickeln, um so ein komplett neues Verständnis von Lebens-, Gesellschafts- und Wirtschaftsstilen zu schaffen“ (Liedtke et al. 2019, S.13). In diesem Sinne ist YLN ein für unsere Gesellschaft relevantes Zukunftskonzept.

Weitere Quellen:
Liedtke, C.; Kühlert, M.; Huber, K.; Baedeker, C. (2019): Transition Design Guide, Design für Nachhaltigkeit. Gestalten für das Heute und Morgen, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (Hrsg.).
Liedtke, C.; Welfens, J.; Fink, H. (2016): Crashkurs Nachhaltigkeit und Design, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (Hrsg.).

Deutscher Nachhaltigkeitspreis 2021: Bewerbung von Your Loving Nature eingereicht

Photo Credit: Marion Garz

Einen wesentlichen Projektbaustein des Nachhaltigkeitsprojekts „Vom minimalistischen Design zu bewusstem Konsum“ bildet die Bewerbung von Your Loving Nature (YLN) um den Deutschen Nachhaltigkeitspreis (DNP) in der Kategorie Design. Als Projektpartnerinnen können Marion Garz von YLN und Alien Spiller (Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde) nun stolz verkünden, dass die Bewerbung eingereicht ist. Der Wettbewerb läuft noch bis zum 30. Juni 2020.

Der neue DNP Design prämiert die besten Lösungen für gesellschaftliche Probleme durch ökologische und soziale Innovationen. Der Preis soll Gestalter*innen motivieren, ihre Arbeit noch stärker an Nachhaltigkeit auszurichten. Denn nachhaltiges Design kann die Lebensweise der Menschen verändern. Bewerber*innen weisen für eines oder mehrere der Transformationsfelder Klima, Ressourcen, Biodiversität, Fairness oder Gesellschaft den Beitrag ihrer Produkte oder Dienstleistungen zur Transformation in eine nachhaltige Zukunft nach.

Der Fokus der Bewerbung von YLN, die durch Alien Spiller erstellt wurde, liegt auf dem Transformationsfeld Gesellschaft. Das Unternehmen hat vor diesem Hintergrund ein gesellschaftliches Experiment gewagt. Als Inspiration für die Produktentwicklung diente der von Joseph Beuys geprägte Ansatz der „Sozialen Plastik“. Dieser resultiert aus dem Verständnis, dass Kunst kein abgeschlossenes Werk im Sinne eines Artefaktes darstellt, sondern den Menschen als kreatives und denkendes Wesen einbezieht. Die Plastik bleibt in diesem sozialen Kontext immer formbar. Beuys war der Meinung, „daß es keine einzige Möglichkeit gibt, etwas für den Menschen zu tun, als aus der Kunst heraus“. Transformation beginnt im Kopf.

In der Entwicklung ihres konzeptionellen und minimalistischen Haar- und Hautpflege-Systems ließ sich Friseurin und Haarexpertin Marion Garz neben ihrer Liebe zur Natur ganz von diesem künstlerisch-ästhetischen Ansatz leiten. Im Produktdesign werden daher nicht nur Umweltwirkungen im Lebenszyklus mitgedacht, um diese möglichst minimal zu gestalten. Sondern mit den Erfahrungswerten als Friseurin fließen tatsächliche Nutzerbedürfnisse ein. So sind sinnvolle Produkte entstanden, für die ein echter Bedarf besteht und die ohne Qualitätsverlust bis zum letzten Krümel aufgebraucht werden können.

Dass YLN Ästhetik, Funktion und gesellschaftliche Akteure mit seinen Produkten aufeinander beziehen kann, ist im Sinne eines entwerfenden Designs ein innovativer Vorschlag für ein nachhaltiges Leben. Minimalismus bedeutet für das Unternehmen aber ebenso, zum Hinterfragen von Beauty-Denken, Luxus und Konsum anzuregen. YLN möchte gesellschaftliche Wirkung entfalten, indem bei Verbraucher*innen eine Sensibilisierung für die Natur und unsere wirtschaftlichen Zusammenhänge in Bezug auf die Welt geweckt wird. So kommen wir gemeinsam ins Handeln. Weniger Konsum heißt weniger Müll, weniger Umweltbelastung und mehr Klimaschutz.

Quellen:
Harlan, Rappmann, Schata (1984): Soziale Plastik, Materialien zu Joseph Beuys, 3. erweiterte und ergänzte Auflage, Achberg, S. 39.

Von Menschen und Haaren: Die Gründungsstory von Your Loving Nature

Photo Credit: Marion Garz

Am besten starte ich mit meiner eigenen Geschichte und wie ich zu meinem ersten Stück Shampoo von Your Loving Nature (YLN) gekommen bin. Das war im Nachhinein betrachtet tatsächlich eine Ko-Evolution.

Marion Garz, Hairstylistin und Inhaberin von YLN ist seit mindestens 18 Jahren die einzige Person, die ich meine Haare schneiden lasse. Am Anfang standen in ihrem Salon noch reihenweise friseurexklusive konventionelle Haarpflegeprodukte in Plastikflaschen. Irgendwann, als ich meine ganze Kosmetik auf biologisch umgestellt hatte, fühlten sich diese Produkte nicht mehr richtig an. Ich sprach das bei Marion an. Sie war einverstanden, dass ich mein eigenes Shampoo zum Friseurbesuch mitbringe. Andere Kund*innen sind vor und nach mir ebenso auf diese Idee gekommen.

Nachdem Marion dann nach längerer Zeit des Gartenlebens total geerdet und inspiriert von der Einfachheit des Lebens mit und in der Natur in die Stadt zurückkehrte, war der Plan für eine eigene Haarpflegeserie gereift. Eines Tages präsentierte mir Marion Garz dann die Resultate: frische und handgemachte Haarpflegeprodukte in puristischer Form – ohne Zusätze von Erdölderivaten, ohne aggressive Waschtenside, ohne synthetische Weichmacher, ohne Konservierung durch Alkohol, ohne übertriebene Verdünnung, ohne überflüssige Verpackungen und ohne extrem lange Handelswege. Die Produkte stellen sich damit der wesentlichen Herausforderung an nachhaltiges Design – mehr aus weniger zu machen. Ich war völlig überzeugt und das mitgebrachte Shampoo konnte wieder zu Hause bleiben und wurde schließlich durch ein YLN-Shampoo ersetzt.

Die Kund*innen von Marion Garz spielen eine ganz aktive Rolle in dieser Geschichte und sind sozusagen zugleich Impulsgeber*innen, Tester*innen und Nutzer*innen der Produkte. Neben ihren Rückmeldungen fließt natürlich Marion´s jahrelange Erfahrung hinsichtlich der Beschaffenheit der Haare ihrer Kund*innen ein. In diesem innovativen Ansatz der Produktentwicklung werden Bedarfe aus sozialen Lebenswelten aufgegriffen und gleichzeitig die ökologischen Wirkungen im Blick behalten.

Im Jahr 2018 wurde mit neuen Produktentwicklungen schließlich die Marke „Your Loving Nature“ gelauncht. Seither wächst das Unternehmen von Marion Garz langsam und organisch, obwohl die Nachfrage nach nachhaltigen Haarpflegeprodukten ein weitaus schnelleres Wachstum erlauben würde. Aber das wäre dann nicht mehr im Sinne von YLN. Der Slogan des Unternehmens lautet passend „Wir machen hier nicht nur Haare“…sondern auch was anders.


Quellen:
Liedtke, C.; Buhl, J.; Borgmann, A. (2015): Nachhaltiges Design und Suffizienz – ressourcenleicht durchs Leben, In: UmweltWirtschaftsForum (2015) 23, S. 11-14.

Nachhaltigkeitsprojekt: Vom minimalistischen Design zu bewusstem Konsum

Photo Credit: Alien Spiller

In meinem ersten Beitrag möchte ich erläutern, was ich mit diesem Blog vorhabe. Die Blog-Philosophie wird im englischen Sprachgebrauch „Bloggy Mission Statement“ genannt. Das finde ich weitaus treffender. Die Mission dieses Blogs ist es, mehr Aufmerksamkeit für den Suffizienzgedanken zu erzeugen. Suffi was? Ja, darauf haben mich meine Freund*innen sogleich hingewiesen: nicht zu viele Fremdwörter verwenden und erklären, erklären, erklären. In den kommenden Beiträgen werde ich daher zur weiteren Erläuterung an die Fachbegriffe anknüpfen. Einleitend sei kurz das passende englische Wort „sufficient“ angeführt, welches mit ausreichend oder genügend übersetzt werden kann. In der Nachhaltigkeitswissenschaft steht Suffizienz unter anderem für ein bewussteres, Ressourcen sparendes Verhalten.

Mein Praxispartner für das Projekt ist das Berliner Unternehmen Your Loving Nature, das auf hochwertige ökologische Kosmetikprodukte spezialisiert ist. Wir nähern uns dem Thema Suffizienz aus konsumästhetischer Perspektive. Im Zentrum unserer Zusammenarbeit stehen die minimalistischen und stilisierten festen Kosmetikprodukte des Unternehmens. Die Produkte zeichnen sich nicht nur durch ihr puristisches Design aus. Ferner prägt Reduktion den gesamten Produktlebenszyklus, von der Herstellung bis zum Ende der Nutzungsphase.

Projekt-Flyer, Credit: Tina Jarek

Mit dem Projekt möchten wir mehr Menschen dazu anregen, sich auf die minimalistischen Produkte und den Verzicht auf Plastikverpackungen einzulassen. Ganz ohne Verpackung und den damit verbundenen Botschaften können sich Konsumenten mit den Produkten lediglich über ihren Gebrauchswert identifizieren. Das erfordert ein Umdenken und Loslösen von in der Werbung gängigen Wertzuschreibungen. Unser erklärtes Ziel ist es, dass Nutzer*innen die Idee des Weglassens von der Produktästhetik ausgehend auf andere Lebensbereiche übertragen. Das Projekt könnte so zu einem bewussteren Konsumverhalten beisteuern.

In diesem Sinne hoffe ich, mich mit Interessierten und Gleichgesinnten zu verbinden und auszutauschen. Es folgen bald weitere Beiträge, bleibt also dran. Melde dich unten an, um eine Benachrichtigung zu erhalten, wenn ich etwas Neues poste.

Quellen:
Linz, Manfred (2004): Weder Mangel noch Übermaß: Über Suffizienz und Suffizienzforschung, Wuppertal Papers, No. 145, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, Wuppertal, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:101:1-200911021828.